1.02.2010

Wohnungsknappheit vs “Aufwertitis”

Trotz Wirtschaftskrise ist die Stadt Zürich unvermindert attraktiv. Aufgrund der Zuwanderung steigen die Immobilienpreise kontinuierlich. Die wenigen Wohnungen, die auf den Markt kommen, sind in der Regel sofort weg.

Der Ruf zur Erhaltung von günstigem Wohnraum ist gross, besonders seit Beginn des Wahlkampfes. In den letzten Jahren setzte die Stadt jedoch alles daran, auch für wohlhabende Schichten attraktiv zu sein. Beispielsweise mit Projekten wie Langstrasse PLUS.

Hat es die Stadt übertrieben mit der «Aufwertitis» und «Seefeldisierung»?

Soll überhaupt etwas gegen den Zustrom Wohlhabender gemacht werden?

Steigert der Ausbau des städtischen und genossenschaftlichen Anteils an Wohnungen nicht bloss den Preisdruck im nicht-regulierten Teil des Wohnungsmarkts?

Das sind die ersten Fragen, die wir hier im Wahlbistro diskutieren wollen.

62 Beiträge, die Debatte ist abgeschlossen.



Letzte Kommentare

Ich erinnere mich daran, wie in den Neunzigerjahren die damalige Stadträtin Ursula Koch einen simplen, aber für unsere Stadt einschneidenden Satz prägte: “Zürich ist gebaut.”

Ihr Nachfolger im Hochbauamt, Elmar Ledergerber, widerrief die Überzeugung Kochs. Und handelte. Zum Glück. Was in den letzten zehn Jahren gebaut wurde, ist Gold wert für Zürich. Die Dynamik, die einsetzte, drängte das “Zwinglianische” in den Hintergrund.

Die Schattenseite: Das Wohnen ist der Stadt ist schlicht zu teuer geworden, die Durchmischung gerät unter Druck. Hierzu erwarte ich Lösungsvorschläge von den Kandidierenden, jenseits der Schlagworte.

Ich schliesse mich dem – positiven – Grundtenor von Fabienne Hug an. Ja, Zürich wandelt sich. Aber ist das schlecht? Vor nicht allzulanger Zeit (ich hab’s noch erlebt) war das Seefeld ein eher verruchtes Viertel.

Klar, die aktuelle Einwanderungswelle führt unmittelbar zu einem Druck auf den Mittelstand. Langfristig entlastet es ihn, weil mehr Schultern mittragen.

Was ich von den billigen Traumwohnungen für Auserwählte halte, die von der SP gefordert werden, kann hier nachgelesen werden: http://www.mbo.ch/wohnungen1.aspx

Wer bitte soll denn die geforderten 33 Prozent subventionierten Wohnungen finanzieren? Sind wir alle plötzlich arm?

Schleierhaft bleibt, wie die Linke unverhohlen minimale Renditen im Immobilienmarkt fordern kann, gleichzeitig aber auf höchste Pensionskassenrenditen wettet. Wo sind denn grosse Teile unserer Pensionsgelder investiert, wenn nicht im Wohnungsmarkt?

Nein Herr Bourgois, die SP spricht nicht von billigen Traumwohnungen für Auserwählte. Sie spricht auch nicht von 33% subventionierten Wohnungen. Sie spricht von 33% Wohnungen die ihre Kosten tragen, aber nicht auf maximale Rendite optimiert sind. Ganz einfach deshalb, damit Leute mit kleinem und mittleren Einkommen auch eine Chance haben, eine Wohnung zu finden. Böse gefragt: Haben Sie keine Argumente gegen das , was die Initiative “Wohnen für Alle” will, dass sie Sachen bekämpfen, die die Initiative gar nicht will?

Auch das gerade von freisinniger Seite oft vorgebrachte Argument, dass damit die Wohnungen für die übrigen Leute verteuert würden, sticht nicht. Eine Genossenschaftswohnung nimmt nicht nur Angebot vom Markt, sondern auch Nachfrage und da Genossenschaften sparsam mit dem Boden umgehen, nimmt sie viel Nachfrage weg.

Danke für die Argumente, die leicht zu entkräften sind.

1. Es geht eben doch um subventionierte Wohnungen. Und die werden niemals von 33% der Bevölkerung gebraucht – das grenzt an DDR-Verhältnisse. Wieso sonst sollte der Staat eingreifen, wenn nicht zur Verbilligung? Es steht Ihnen als Privater ja frei, das zu tun, was Sie der Staat angeblich tun sollte. Wenn der Staat aber eingreift und anders handelt als ein Privater, entstehen Opportunitätskosten, die die übrigen Steuerzahler berappen. Aber was will ich: Sozialdemokraten und Marktverständnis…

Preise Restmarkt: Eine (staatlich verbilligte) Genossenschaftswohnung bedient andere Bevölkerungskreise, nimmt dem Mittelstand also sehr wohl etwas weg. Erinnern Sie sich noch: Preis sinkt => Nachfrage steigt. Auch in einer linken Stadt.

Es gibt nur eine Lösung: Bauen!

PS: Gegen PRIVATE Genossenschaften wende ich gar nichts ein.

Ursula Kochs verfehlte Politik verfolgt uns bis heute: Ein Stadtentwicklungskonzept, das langfristig die Vision einer durchmischten und nachhaltigen Stadt für Wohnende und Arbeitende aufzeigt, fehlt bis heute.

Preiswerte Wohnungen (nicht günstige!) für alle sind tatsächlich in der Stadt Zürich Mangelware. Eine Einschränkung der Zuwanderung von guten Steuerzahlern, die unsere städtische Infrastruktur (z.B. ÖV) mitfinanzieren, wäre genauso falsch, wie die Initiative zur Verpflichtung auf 33% genossenschaftliches Wohnen, welches nur durch Enteignungen, massiv überhöhte Ausgaben für städtische Immobilienkäufe und höhere Steuern realisiert werden könnte.

Die Lösung muss eine Kombination sein: Ein Stadtentwicklungskonzept unter Mitbestimmung der Quartiere, Verdichtung in klar begrenzten, trendigen und ökologischen Hochhauszonen (z.B. Zürich-Hard) UND die Förderung von Wohnbaugenossenschaften.

Die hohe Nachfrage nach Wohnungen ist doch positiv: sie zeigt, wie attraktiv die Stadt ist. Nur dann lohnt es sich für Unternehmer, in neue Häuser zu investieren und mehr zu bauen. Und dies führt dann auch wieder zu tieferen Mieten.

Wer mit vielen Millionen Steuergeldern den Wohnungsbau subventioniert, macht das Gegenteil. Wer nicht in den Genuss einer Staats-Wohnung kommt, wird auf dem privaten Wohnungsmarkt noch mehr bezahlen müssen! Ausserdem: fallen diese Millionen vom Himmel? Logo: wir bezahlen alle dafür mit höheren Steuern.

Zu empfehlen ist übrigens auch mal ein Blick nach Zürich Nord. Dort sind dank einem attraktiven Wohnungsmarkt und verdichtetem Bauen viele neue Wohnungen entstanden. Diese sind dank einem besseren Verhältnis von Wohnraum zu verbauter Fläche günstiger, für den Mittelstand erschwinglich und erst noch ökologisch hochwertiger.

Martin Luchsinger spricht mit der Ökologie ein wichtiges Thema an, das die SP völlig ausblendet. Das Wort “Yuppisierung” wurde ja zunächst anhand von Sanierungen und Neubauten im Seefeld akut. Ohne Sanierungen und Neubauten werden wir das 2000-Watt-Ziel aber niemals erreichen – immerhin fressen Gebäude 45 Prozent der Energie, die in der Schweiz verbraucht wird.

Ein weiterer Nebeneffekt ist die Verdichtung der Wohnsubstanz. Das spart uns Pendler und bremst die Zersiedelung.

Damit ist einmal mehr klar, dass die SP genau dann für die Umwelt kämpft, wenn sich etwas umverteilen lässt. Reine Öko-Symbolik.

@Pawel Silberring:

Zitat: “Eine Genossenschaftswohnung nimmt nicht nur Angebot vom Markt, sondern auch Nachfrage.”

Verzeihung, was wollen Sie damit sagen? Ihr makroökonomischer Diskurs wäre zu ergänzen mit dem Aspekt, was mit einem begrenzten Angebot (Wohnraum) geschieht, wenn es an der Nachfrage vorbei gestaltet wird? Die Frage, ob wir mehr oder weniger genossenschaftliche Wohnungen brauchen, wollen Sie ja nun wirklich nicht dem Markt überlassen, oder?

@ Marc Burgeois

Es scheint mir langsam natürlich, dass wir Grünliberalen die Liberalen dazu bringen endlich auch ökologisch zu argumentieren.

Die 2000-Watt-Gesellschaft aber – wie die FDP leider in ihrer “Umweltschutz”-Kampagne versucht – dazu zu missbrauchen, die übliche Klientel zu bedienen (Immobilienspekulanten und Hauseigentümer), entlarvt die Kampagne als grünes Feigenblättchen für die Wahlen.

Energetische Sanierungen müssen sich auch für den Mieter auszahlen (tiefere Nebenkosten, geringerer Energievebrauch) und nicht dazu benutzt werden den Mieterschutz auszuhebeln. Eine attraktive und nachhaltige Stadt braucht eine durchmischte Bevölkerung und keine entleerten Quartiere. Dies haben auch andere Städte (wie San Francisco) bemerkt.

Darum noch einmal: Es braucht eine Kombination von Massnahmen (wie oben erläutert) und nicht reine Marktwirtschaft oder massive Staatseingriffe.

Meine Güte Herr Bourgois, haben Sie die Initiative überhaupt gelesen: …”dem Prinzip der kostendeckenden Mieten verpflichtet
sind”…

Es geht nicht um subventionierte Wohnungen. “Oppurtunitätskosten” können Sie geradesogut jedem Privaten vorwerfen, der seine Rendite nicht zum Maximum ausreizt. Wenn eine Genossenschaftswohnung andere Bevölkerungsgruppen bedient, haben Sie recht, aber genau das ist gewünscht: dass “andere” Bevölkerungsgruppen eben auch eine Chance haben, eine Wohnung zu finden: Polizisten, Elektrikerinnen, Hebammen, Bäcker… Sagen Sie doch offen, dass Sie die alle nicht wollen, dann ist Klartext.

@ Martin Luchsinger

Das ist jetzt etwas Off-Topic.

Trotzdem: nette Stereotypen, deren Sie sich da bedienen. Weshalb sollte ich eine Klientel bedienen, zu der ich – nach Ihrer Definition – ganz klar nicht gehöre? (siehe http://www.mbo.ch/bourgeois.aspx).

Ich bin gesellschafts- und wirtschaftsliberal, und damit in der FDP am richtigen Ort. Muss ich annehmen, dass es Ihnen unangenehm ist, wenn sich die FDP um die Umwelt kümmert? Wovor haben Sie Angst?

Und haben die Linken die Umwelt für sich gepachtet?

Nur weil die Stadt Land kauft und den Genossenschaften im Baurecht abgibt, gibt es keine Steuererhöhung. Die Kapitalkosten werden durch die Zinsen, die die Genossenschaften der Stadt für den Boden zahlen, refinanziert.

Im Gegensatz zu privaten Bodenbesitzern haben die Genossenschaften deutlich tiefere Renditeforderung, daher sind ihre Wohnungen billiger. Dass die Genossenschaften «an den Bedürfnissen vorbeibauen» ist ein Märchen – die ABZ (http://www.abz.ch) zum Beispiel wird in den nächsten Jahren 1600 Wohnungen erneuern. Und dies ökologisch und so, dass die neuen Wohnungen immer noch günstiger sind als die von privaten Vermietern.

Herr Silberring, der Unterschied zwischen “kostendeckend” und “marktgerecht” ist das, was wir dann alle bezahlen. Ist offenbar ziemlich aussichtslos, als bürgerlicher Ökonom einem linken Ingenieur Marktmechanismen erklären zu wollen.

Opportunitätskosten: Machen Sie sich zunächst schlau, es geht da nicht um Opportunismus. Ihr Vergleich ist unverständlich.

Und wenn wir schon beim Verstaatlichen sind: Wieso nur 33% der Wohnungen quasi-verstaatlichen? Wieso nicht gleich 33% aller Betriebe? Oder allen Eigentums? Weil’s sich mit Wohnungen populistischer hausieren lässt? Und wieso gerade 33%? Wieso nicht 66%? Oder 100%?

PS: Kleine Info am Rande: Ich selber bin (im Gegensatz zu Ihnen) ein “Opfer” der sog. “Yuppisierung”. Umsomehr muss ich mich ab den linken Rezepten krümmen…

Fakt ist (wie Fabienne Hug bereits erwähnt hat): Das Versäumnis der damals wie heute dunkelgrün-rot dominierenden Stadt-Exekutive war, solche Folgen der propagierten nötigen Öffnung (–> massiver absehbarer Zustrom von Bürgerfreiheit und hohes Lohn-Niveau Schätzenden!), den man wohl voraussah, nicht proaktiv begegnet zu sein (= in aller Ruhe, weitsichtig):

Das schmerzliche “Erwachen” des sich heute vertrieben sehenden Mittelstandes (Zürich-Seefeld!) – dem sich nun sogar auch eine SP kurz vor den Wahlen populistisch “zuwendet” (!), wäre abgemildert! Da genügte Elmar Ledergerbers (immerhin: Wir hatten damals noch ein Stadtpräsidium!) Wohnungsbau-Aktion eben nicht. Heute tut weitsichtige Angebotserhöhung (selektive Verdichtung in die Höhe, in Koordination mit Nachbargemeinden) unter Mehrwertabschöpfung (Wohnanteil “Standard” gemeinütziger Wohnungsbau) Not: Ein Stadtentwicklungskonzept muss her!

Haben Sie etwas mitgelesen, Claudia Nielsen?

Der einzige zulässige Vergleich ist: Was könnte die Stadt an Zinsen verdienen, wenn sie den Boden marktgerecht (wie ein Privater), also im Interesse aller Steuerzahler vergeben würde. Und die Differenz, genau, die bezahlen wir alle. Als Steuererhöhungen, ausbleibende Steuersenkungen oder geringere staatliche Leistungen an anderen Orten. Für einige wenige, weitgehend zufällig Ausgewählte. Alles andere ist ökonomisch eine glatte Lüge. Weshalb stehen Sie nicht wenigstens dazu?

Wie gut der Staat weiss, was der Bürger wünscht, können Sie übrigens gerne an ostdeutschen Plattenbauten studieren.

@Marc Bourgeois

Nicht persönlich gemeint, sondern an die Adresse Ihrer Partei.

Ökologisch denken hoffentlich mittlerweile (fast) alle Parteien. Wichtig ist allerdings, dass damit eben gerade in der Frage des Wohnungsbaus nicht das ökologische Argument einseitig verwendet wird. Ich freue mich also auf die Unterstützung der ökologischen Anliegen durch die FDP in der nächsten Legislatur.

Die Seefeldisierung und die Knappheit preiswerter Wohnungen für alle ist und bleibt ein Problem, dem sich die Politik annehmen muss. Darum “back to topic!” für uns beide!

Wäre zum Beispiel nicht gerade der Ausbau des Hönggerbergs zu einem tatsächlich konzentrierten Hochschulcampus inkl. studentischem Wohnen nicht eine ideale Möglichkeit mehr zentralen Wohnraum in den bisher von Uni- und ETH Instituten besetzen Häusern im Kreis 6 zu schaffen? (Eine Idee, die die Stadt auf kantonaler und nationaler Ebene unbedingt einbringen sollte.)

Herr Bourgeois, irgendwie gleiten Sie ins Persönliche ab. Sie müssen halt sagen, wenn ich nicht gut genug bin, um mit Ihnen zu diskutieren. Wenn aber doch, dann bleiben wir doch beim Sachthema.

Die Initiative will einfach erreichen, dass es ein Angebot für Alle gibt, von einem Gut, das nicht beliebig vermehrt werden kann, das aber lebensnotwendig ist. Mit einer freisinnigen Klientel kann man schon alles über den Preis machen wollen, aber dann kriegen halt diejenigen die Wohnungen, die am meisten zahlen können.

Irgendwie sollte ihnen doch einleuchten, dass das für die SP keine Option ist. Wir wollen, dass das knappe Gut sparsam verteilt wird und dass die unteren und mittleren Einkommen auch eine Chance haben.

@ Martin Luchsinger

Diese Unterstützung haben Sie von meiner Seite. Aber nicht mit Verboten und Geboten, sondern mit – staatsquotenneutralen, effizienten Lenkungsmechanismen. Nur werden ich wahrscheinlich nicht im GR sitzen, also müssten Sie alleine kämpfen.

Zu Ihrem Vorschlag vom Hochschulcampus: Eine prüfenswerte Idee. Die FDP Zürich 7+8 hat in ihrem Positionspapier zum Wohnungsmarkt (Link unten) schon vor einiger Zeit geschrieben: “Prüfung der Rückgabe von Verwaltungsgebäuden und anderen staatlich genutzten Liegenschaften an den Wohnungsmarkt.”. In diesem Zusammenhang ist aber auch die Zukunft des Unispitals, der ja wegziehen möchte, zu prüfen. Das böte auch Raum für eine Rückkonzentration der Hochschulen.

Positionspapier:

http://bit.ly/9a2NGs [...kleiner Eingriff der Regie bzw. des Bistrobetreibers: via http://www.bit.ly werden unendlich lange Links brauchbar kurz. Empfehlenswert.]

Als Karl Valentin einmal den bayrischen Landtag besuchte und man ihn nach einer Weile fragte, was er von dem Treiben halte, gab er zur Antwort: “Alles wurde schon gesagt, nur nicht von jedem.”

Gibt es der Debatte etwas anzufügen? Vielleicht, dass beide Seite ein wenig Recht haben. Wenn eine Stadt wie Zürich eine gute Durchmischung will, sind Wohnungen ein legitimes politisches Mittel, aber bitte ohne starre Quoten! Von mir aus zu Kostenmieten, aber dann soll man auch zugeben, dass es sich um subventionierte Wohnungen handelt und entsprechend strenge Vorschriften an die Demographie der Mieter stellen und diese durchsetzen – auch wenn das eine Kündigung zur Folge hätte.

Der private Markt hingegen ist von bürokratischen Hürden zu befreien. Stichworte sind beispielsweise Hochhauszonen (mit echter Verdichtung!) oder der Ausbau von Dachstöcken.

Die fragliche Initiative ist so angelegt, dass “ihr Vollzug zu einer Mietzinsverbilligung aus Steuergeldern und nach dem Giesskannenprinzip führen kann, und zwar auch für Personen, welche durchaus in der Lage sind, mittelständische oder auch höherpreisige Mieten zu bezahlen.” Dies das Fazit, sogar des Mehrheitsbeschlusses, des Stadtrates von Zürich in seiner Weisung zur Initiative; dem ist nicht viel mehr beizufügen.

@ alle Teilnehmende

Danke, dass Sie gleich am ersten Abend engagiert einsteigen. Das Thema brennt ganz offensichtlich vielen unter den Nägeln.

Als Bistrobetreiber habe ich aufmerksam zugehört bzw. mitgelesen und kleine Korrekturen in Ihren Kommentaren angebracht. Beachten Sie doch in einer Pause einmal die “Hausregeln”.

Wer sich die Finger schon wundgeschrieben hat, kriegt ein Bier aufs Haus – und darf für heute pausieren. Lassen Sie den anderen 60 Gästen auch einmal die Möglichkeit, sich zu artikulieren. Danke.

@ Mark Balsiger

Ich finde es eher schade, dass Sie eine jetzt entstande Diskussion so schnell abklemmen. Ich teile beispielsweise die Meinung von Marc Bourgeois überhaupt nicht, finde es aber dennoch spannend, wenn in einer Diskussion die Wogen hoch gehen.

Ich habe nicht den Eindruck, dass hier eine Debatte abgeklemmt werden sollte. Ganz im Gegenteil.

Allerdings erwarte ich von Kandidatinnen und Kandidaten, dass sie auch mal schweigen und anderen den Vortritt lassen können. Es gibt also durchaus Parallelen zu den echten Podien. Es punktet nicht zwingend der Teilnehmer, der die Diskussion zu dominieren versucht.

Von aussen betrachtet wird es weniger attraktiv, wenn sich stets dieselbe Gruppe zu Wort meldet.

@Marc Bourgeois

Ich lese Ihre Kommentare durchaus gerne mit, wünsche Ihnen aber ein bisschen mehr Vertrauen in den Inhalt Ihrer Argumente. Für meinen Geschmack attackieren Sie zu oft die Person mit, statt nur deren Meinung.

Was mir sonst noch auffällt: Die GLP verfügt ganz offensichtlich über ein sehr internet-affines Kandidatenfeld. Für die SVP dürfte das Internet und damit dieses Bistro einen gravierenden Nachteil haben: Zu wenig laut.

Ich bin einverstanden mit Andreas Meier – die Frage von Dominik Schönenberger möchte ich aber doch noch beantworten (“Woher kommt das Geld, mit dem Sie das Land kaufen?”):

Auf dem Kapitalmarkt zahlt die Stadt Zürich z.B. für eine Anleihe bis 2025 zur Zeit 2.75 Prozent Zinsen (siehe http://bit.ly/bGaWxx). Diese Zinsen belastet sie den Genossenschaften, die das Land im Baurecht übernehmen würden. Es entstehen somit keine Kosten. Und schlussendlich macht die Stadt per Saldo keine neuen Schulden, da sie für die Anleihen im gleichen Wert Land erhält.

Also aus meiner Sicht ist der Sinn der Initiative eben der, die Stadt dazu zu verpflichten zum Wohle der Allgemeinheit tätig zu werden.
Der gewinnorientierte Private macht dies üblicherweise nicht. Da Boden nicht vermehrbar, aber zwingende Voraussetzung für den Bau von Gebäuden ist, kann ein echt freier Markt hier per Definition nicht spielen. Hohe Nachfrage kann keine Produktion zusätzlichen Bodens erwirken.

Aufgabe der öffentlichen Hand ist es nun, die Entwicklung so zu beeinflussen, dass sie gesellschaftsverträglich bleibt, also Quartiere sozial durchmischt bleiben und auch das Gewerbe sich noch Räume leisten kann, sonst laufen wir Gefahr Londoner Zustände zu erhalten, was dann allerdings wieder zu einer verminderten Attraktivität führen würde, allerdings wohl ohne die Chance dadurch die Durchmischung wieder zu erhöhen. Solcherlei Schäden wären nicht ohne weiteres zu reparieren.

@ Andreas Burger

Das Ziel mag vordergründig hehr tönen. Und wenn die Linke hier endlich dazu stehen würde, dass auch entgangene Gewinne für den Steuerzahler “Kosten” sind, so könnte man auch über das Ziel diskutieren. Keiner Wünscht sich Zustände wie in London oder New York, aber da ist Zürich noch meilenweit davon entfernt.

Auch dass der Boden ein so völlig anderer Markt ist als andere Güter, wird von vielen Ökonomen angezweifelt, kann also nicht einfach so angenommen werden. Immerhin haben wir inzwischen fast alle eingesehen, dass ALLE Ressourcen begrenzt sind. Wieso auf aller Welt sollen 66% die anderen (durchaus nicht bedürftigen 33%) subventionieren? Das ist nur noch stossend.

@ Claudia Nielsen

Wenn Sie echt der Meinung sind, dass das Ganze kostenfrei ist, dann mache ich Ihnen den folgenden Vorschlag: Die SP zieht das Ganze auf privater Basis durch. Das fänd ich toll!

Wir haben in den letzten jahren eine Angebotserweiterung gehabt von noch nie dagewesenem Ausmass. Zudem haben wir seit Jahren historisch tiefe Zinsen und kaum Inflation. Trotzdem steigen Mieten und Immobilienpreise unaufhörlich.

Das zeigt, was alle wissen: Wir haben einen reinen Anbietermarkt bei dem die Anbieter die Preise setzen. Da hift auch mehr Bauen nicht die Preise zumindest zu stabilisieren. Leider. Mehr und dichter Bauen bringt zwar mehr Steuerzahlende und das ist positiv, aber sicherlich keine Senkung der Mietpreise. Die Bodenökonomie hat ihre spezielle Logik.

Claudia Nielsen hat es schön dargelegt: Eine expansive Strategie der gemeinnützigen Wohnbauträger kostet den Staat nichts. Im Gegenteil: Es spült ihr jährlich Erträge in die Kasse und das Land beliebt erst noch im Volksvermögen.

Von bürgerlicher Seite wird argumentiert, dass wir uns Subventionen in den Wohnungsbau nicht leisten können. Das ist ökonomischer Irrglaube. Von Subventionen keine Spur, sind doch alle Ausgaben vollständig gedeckt.

Was wir uns aber tatsächlich nicht leisten können, sind die hohen Mietpreise. Steigen die Mieten in Zürich allein um 100 Franken pro Monat und Wohnung, so kostet das die EinwohnerInnen satte 250 Millionen jährlich wiederkehrend. Das sind rund 16 Steuerprozente!

Auf Zürichs Boden werden jährlich rund eine halbe Milliarde Franken Grundstückgewinne erzielt. Dieses Geld muss verzinst werden von den Eigentümern und den Mietenden. Das nennt man einen volkswirtschaftlichen Supergau: Umverteilung von den Arbeitseinkommen zu den Kapitaleinkommen. Als Politikerin will ich das nicht zu verantworten haben. So wird nämlich der Mittelstand ausgehöhlt.

Nach dieser sozialistischen Logik sehe ich nicht ein, wieso nur 33% +/- verstaatlicht werden sollen. Wieso nicht 100%? Weil das Endziel zu offensichtlich wäre? Und wer wählt die zu bestrafenden 33% aus?

Zur Angebotsausweitung: Die Nachfrage hat – durch Landflucht (Zürich ist attraktiv) und Zuwanderung – erheblich stärker zugenommen.

Selbstverständlich ist es ein ur-marktwirtschaftlicher Impuls, dass ein privater Wohnungsvermieter den grösstmöglichen Mietertrag zu erzielen versucht. Beispiel Sanierung: Kaum ein Vermieter wird dabei nicht alles ausreizen, was ihm höhere Mieterträge erlaubt. Und dazu gehört dann eben auch ein überkandidelter Ausbau der Inneneinrichtung.

Thema genossenschaftlicher Wohungsbau und entsprechende Vermietung: Die Akzeptanz in Mitte- und Rechtsparteien wäre wohl besser, wenn die Praxis den Sinn der Wohnungsvergabe strenger durchsetzen – und bei Familien, deren Situation sich verändert durch Auszug der Kinder z.B., einen Mieterwechsel konsequenter durchsetzen würde.

Da ist schon ein ordentliches Potpourri zusammengekommen. So weit so gut.

Ich lege Ihnen nahe, Herr Bourgeois, sich etwas mehr zurückzuhalten. Ein solches Forum sollte von niemandem dominiert werden. Sonst verlieren womöglich viele Gäste das Interesse. Vermutlich lesen weit mehr als 90 Prozent hier mit, ohne sich je zu äussern. Das sind potenzielle Wählerinnen und Wähler. Auch Ihre!

Zurück zur Wohnungsknappheit. Im Grundsatz bin ich eine Verfechterin des freien Marktes. Dieser funktioniert aber nur noch einseitig.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Die Aufwertung verschiedener Quartiere, die ich miterlebte, finde ich positiv. Wenn aber die “global citizens” beliebig hohe Mieten bezahlen und andere verdrängen, in ein paar Jahren aber schon wieder weiterziehen, verliert unsere Stadt einen Teil ihrer Wurzeln.

@Kurt Steuble

Zu Ihrer Frage von weiter oben:
Mit dem Satz “Eine Genossenschaftswohnung nimmt nicht nur Angebot vom Markt, sondern auch Nachfrage.” wollte ich dem Argument entgegentreten, dass mit Genossenschaftswohnungen das Angebot auf dem freien Markt reduziert wird und daher das Wohnen verteuert werde. Da ja in diesen Wohnungen auch Menschen wohnen, stehen ein paar Leute weniger bei den Vermietern auf der Matte und schaffen Nachfrage.

@Jaquelin Badran
Was soll man dazu sagen, wenn Sie die Wohnbautätigkeit der letzten Jahre als “in noch nie dagewesenem Ausmass” darstellen – und bereits in den 1980er Jahren – und davor wesentlich intensiverer Wohnungsbau betrieben wurde? (vgl. Statistik Zürich).

Zudem weitere Fakten (Zitate aus Stadtentwicklung Zürich 2008):

1.In den grossen Genossenschafts-Quartieren liegt das Vermögen der GenossenschafterInnen über dem Quartierschnitt.

2.Höchste Einkommen sind in Genossenschaftswohnungen klar unterdurchschnittlich vertreten: Aber tiefste Einkommen sind ebenfalls unterproportional vertreten, dies trotz subventionierter Wohnungen!

3.Genossenschafter-Haushalte besitzen, wenn man jeweils ähnliche Lebens-Situationen mit einander vergleicht, durchschnittlich deutlich mehr Vermögen als die übrigen Mieter-Haushalte.”

Diese Grundlagen sollten eigentlich bekannt sein.

@ Fabienne Hug

Danke für Ihren Ratschlag – mir geht es hier aber schlicht darum, einen unsäglichen Etikettenschwindel aufzudecken. Gewählt werde ich ohnehin nicht (Bisherige…), da kann ich völlig entspannt sein.

Aber jetzt vor den Wahlen kümmert sich die SP plötzlich um Wohnungen, nachdem sie jahrelang zahllose Bauprojekte in der Stadt bekämpft hat – im Einzelfall und mit der Zonenordnung. Dabei ist sie einmal mehr sozial genug, fremdes Geld für ihre Klientel aufzuwerfen. Das ist unredlich.

Genauso unglaubwürdig ist eine SP, die mir KMUler weismachen will, wie wichtig ich ihr bin. Bis nach den Wahlen…

Die gut recherchierten Angaben von Simon Schaltegger sprechen eine deutliche Sprache. Als renommierter Bauanwalt hat er uns allen hier wohl etwas voraus.

Ich möchte nur auf Grundlagen hinweisen und bin grundsätzlich vorsichtig bei sehr vollmundig ausfallenden Behauptungen; dies rundherum.

Ich stelle mir auch die Frage, woraus denn eigentlich genau die postulierte “gesunde Durchmischung eines Quartieres” – und welches! – bestehen soll? Dass ich selbst – und jeder in dieser Allgemeinheit – mir dies auch wünsche, ist klar.

Aber: Welche Zielgrössen soll der Staat hierzu definieren (einziges durchsetzbares Kriterium: Einkommen? Und dann Kriterium Personenzahl; Kriterium x-Kind-Familie; Kriterium Religion, Hautfarbe, ja es geht beliebig weiter.)? Ein zumindest schwieriges Unterfangen, wenn die Gesetzesmaschine dies in den Griff bekommen soll.

@Fabienne Hug

Das Wohnen ist der Stadt ist schlicht zu teuer geworden, die Durchmischung gerät unter Druck. Hierzu erwarte ich Lösungsvorschläge von den Kandidierenden, jenseits der Schlagworte

Patentrezepte gibt es keine, aber hilflos zuschauen braucht die Stadt selbst nicht. Zum einen könnte sie den Druck auf die Zentrumskreise etwas nehmen, wenn sie einen Teil ihrer repräsentativen Bauten ausserhalb der Meile Escher-Wyss-Platz-Bellevue errichten würde. Das neue Kunsthaus hätte bestens nach Neu-Oerlikon gepasst.

Die Tate Modern ist 20 Bootsminuten von der Tate Gallery entfernt – und niemand stört sich daran. Man kann nicht ernsthaft Zürich in Städte-Rankings inmitten von London, Barcelona und Paris sehen wollen und gleichzeitig meinen, alle Sehenswürdigkeiten müssten in Gehdistanz zu einander liegen.

Viel Richtiges wurde bereits geschrieben (und viel aus meiner Sicht auch Falsches). Selbstverständlich fokussieren die Debattierenden, meist Gemeinderats-Kandidierende, auf die Möglichkeiten der Stadt.

Bleibt allerdings anzufügen, dass die grossen Mietzinserhöhungen immer dann möglich sind, wenn ein Mieterwechsel stattfindet. Hier müsste das Mietrecht verschärft werden. Wir wissen: das dauert lange. Und braucht dann noch Mehrheiten.

Als rasche und kleine Verbesserung wäre es angezeigt, wenn im Kanton die Formularpflicht wieder eingeführt würde. Damit müsste neuen Mietern die Vormiete angezeigt werden, damit sie überhaupt die Möglichkeit haben, einen zu hohen Anfangsmietzins anzufechten.

Vor gut einem Jahr haben SVP/FDP/CVP vereint gegen einen entsprechenden Beschlussesantrag 2008/574 von Niklaus Scherr (AL) gestimmt. Das heisst, dass diese Parteien nicht einmal Transparenz im Markt gewähren wollen.

@ Marc Bourgeois: Welche Bauprojekte hat die SP verhindert? Vor über zehn Jahren ist Elmar Ledergerber mit dem Wahlversprechen 10′000 neue Wohnungen angetreten. 2007 wurde diese Zahl bereits überschritten. Dies ist das Verdienst des Stadtrats mit rot-grüner Mehrheit. Wir haben auch dem Gestaltungsplänen Zollfreilager und der Umzonung der Kronenwiese zugestimmt. Dass gewisse Bauvorhaben durch Einsprachen verzögert werden ist nicht die Schuld der SP, es sind in der Regel Private. Jetzt geht es darum, dass Zürich auch für Normalverdienende noch bezahlbar bleibt.

Der Artikel heute im Tages-Anzeiger hat gezeigt, wie schwierig es Grossprojekte in Zürich manchmal haben, Ringling, Zollfreilager etc. Sehr häufig kommen die Einsprachen von Privaten, d.h. den zukünftigen Nachbarn. Diese Einsprache sind manchmal ganz wesentlich bei der Verzögerung von Bauprojekten, wichtiger jedenfalls als die politischen Instanzen.

@Claudia Nielsen
Da habe ich meine starke Zweifel… die institutionelle Blockierung schon nur in der SP-Koch-Aera (Raumplanung, Zonierung) wirkte sich eben nachhaltig aus – es scheint heute nun auch noch der Preis für entsprechende Projekte zu sein, dass die Bauherrschaft die politische projektbezogene Blockierung zu lösen vermag (Gemeinderäte als Verhandlungsgegner der Bauherrschaft = “Nachbar-Rekurrenten “im öffentlichen Interesse”). Dem hätte nur eine weisichtige Raumplanung ETWAS entgegengewirkt werden können; leider unterliessen es gerade diejenigen, welche die (erwünscht!) Öffnung propagierten, nicht jedoch adäquat vorsorgten – und dem heute erwachenden Mittelstands-Volk die Info über das was kommt vorenthielten.
Schade.

Die PWG halte ich für ein sehr gutes Instrument; es muss ihr Sorge getragen werden (vgl. rel. Bestand/Aufwand/Stellen-Entwicklung ab 2004…!).

@ Andreas Kyriacou: Beim Kunsthaus bin ich dezidiert anderer Meinung. Zürich hat nun mal doch nicht ganz die Grösse und die Bedeutung von London. Eine Kunsthausdependance heisst einfach, dass man eine zweites Kunsthaus schaffen würde, was auch Mehrkosten auslösen würde. Eine Erweiterung am jetzigen Standort scheint mir daher für die Bedürfnisse des Kunsthauses und auch für dessen Besucher (die wohl kaum durch die halbe Stadt gondeln wollen) viel angemessener. Hingegen habe ich mich immer gefragt, warum man für das Kongresshaus keinen Standort in Zürich Nord geprüft hat.

Der spannende Austausch der Argumente macht Spass mitzuverfolgen.

Bisher ist niemand auf die Rolle der Stadt im Langstrassen-Quartier eingegangen. Unterstützt die städtische Politik nicht eine Entwicklung vom Problem- direkt zum Yuppie-Quartier?

Die zweite Frage, die schon da und dort aufgenommen wurde, zu der ich aber gerne noch mehr lesen würde:
Welches sind Ihre Visionen für eine Stadtentwicklung, die der aktuellen Bevölkerungsdynamik Rechnung trägt? Wo und wie soll die Stadt wachsen?

Ist nicht das Problem einer gelungenen Stadtentwicklung, einer “Aufwertung” von Quartieren, dass sie immer “Yuppies” anzieht? Das heutige urbane Mittelklasse-Mitglied ist, je nach Lebensphase, auch zufrieden mit einer aufgewerteten, günstigen 2-Zimmer-Wohnung. Und Quartiere, in denen die Durchmischung gut funktioniert, werden als Ganzes sofort wieder attraktiver, was wiederum die einzelnen Wohnungen attraktiver und, wenn sie nicht genossenschaftlich sind, teurer macht.

Das heisst, gute Wohnpolitik macht mittelfristig ihre eigenen Resultate immer wieder zunichte, weil sie weitere Menschen anzieht und den Wohnraum wieder verknappt und verteuert. Da langfristig gesehen aber immer mehr Schweizer so schön urban wohnen wollen, wie wir, bleibt Zürich nur eins: weiterwachsen, eingemeinden. Wie vor 100 Jahren.

Thomas Ley beschreibt das Spannungsfeld sehr gut. Es ist eben Aufgabe der Politik, hier immer wieder Gleichgewichte herbeizuführen.

Die Angst vor immer stärker steigenden Mieten bei steigendem Angebot teile ich insofern nicht, als dass wir nun mal nicht Millionäre sind (mich eingeschlossen). Auch der Markt für Luxuswohnungen ist begrenzt. Wird aber natürlich, je erfolgreicher Zürich wird, immer grösser. Zürich wird also für seinen eigenen Erfolg bestraft…

Zu Michael Hermann: Geografisch kann die Stadt kaum wachsen, Grünzonen wollen wir alle erhalten, also bleibt nur noch die Verdichtung, was auch ökologisch und raumplanerisch sinnvoll ist. Zürich wird höher gebaute Quartiere benötigen. Die Zonenordnung lässt dies teilweise schon zu – und kann ja auch angepasst werden. Es ist aber klar, dass sich hierführ eher die neueren (ehem. industriellen) Quartiere eignen.

@ Min Li Marti

Ich sehe das nicht unähnlich wie Andreas Kyriacou. Nicht gerade beim Kunsthaus, da bevorzuge ich die Lösung am Pfauen. Grundsätzlich ist man aber mit der S-Bahn genauso schnell in anderen Quartieren, wie in anderen Städten mit der U-Bahn. Auch dort dürfen “Prestigeobjekte” (Kongresshaus?) stehen. Wir erwarten ja auch kein Fussballstadion am Paradeplatz.

@ Balthasar Glättli

Da haben wir ein ganz anderes Verständnis von Markt und Eigenverantwortung. Je komplizierter und uninteressanter die Verwaltung eines selbst (mit-) bewohnten Hauses wird, desto eher wird man es an professionelle Investoren abgeben (wie im Seefeld häufig geschehen). Die beste Garantie für Durchmischung, faire Mieten und ein bedarfsgerechtes Angebot, ohne die Staatskasse (und damit wieder den Mittelstand) zu belasten, sind aber genau privat gehaltene Immobilien.

Ich bin alles andere als ein studierter Ökonome, sondern nur ein Stimm- und Wahlberechtigter.

Ich höre immer von “Wachstum” das offenbar zwingend sein muss! Wir stecken nun aber im dem Dilemma ein ganz ganz kleines winziges Ländli zu sein,welches nur über wenig Resourcen an bebaubarem Land verfügt. Schon werden Stimmen laut zum Eingemeinden, dann wachsen wir – aha!

Wegen unseres Dilemmas hätte ich den Vorschlag das Land, die Stadt zu schrumpfen – alles inkl. Wirtschaft etc. gesund zu schrumpfen – gewissermassen, verstehen Sie, was ich meine?

Natürlich ist das antizyklisch – aber man könnte das Gesundschrumpfen einmal thematisieren. Dann müssten die Linken nicht alle Ausländer scharenweise in unsere schöne Stadt hinein winken. Und die Rechten bräuchten sich nicht zu rechtfertigen, wenn eine 5-1/2-Zimmerwohnung ohne weiteres 10′000 Franken kostet.

Das Problem sind doch nicht die privaten Immobilienbesitzer oder die Pensionskassen, sondern die börsenkotierten Immobilienfonds und Immobiliengesellschaften. Um als Anlagekategorie zu bestehen, müssen diese Vehikel gleich absurde Eigenkapitalrenditen von 15 Prozent und mehr erwirtschaften, gegenüber den bei Privaten üblichen 5 bis 6 Prozent.

@ Marc Bourgeois

Der Verkauf an professionelle Investoren im Seefeld, war wohl häufiger eine Folge von jahrelanger Vernachlässigung der Liegenschaft und daraus folgender mangelnden Mitteln zur Renovation, als der Komplexität der Verwaltung. Die lässt sich problemlos auch ohne Verkauf an Profis übergeben.

Das Flächenwachstum der Stadt ist sicher keine Lösung, da die umliegenden Gemeinden sich weder eingemeinden lassen wollen (vor 100 Jahren waren die eingemeindeten Gemeinden alle mehr oder weniger Pleite), noch genügend freies Land zur Verfügung haben.

Wer sich den Siedlungsbrei rund um Zürich ansieht, weiss dass von dort keine Lösung zu erwarten ist. Eine Entspannung kann sicher nur durch effizientere Nutzung des Bodens erreicht werden (was Genossenschaften übrigens vorbildlich praktizieren).

Mehr als eine Entspannung wird aber auch so nicht erreicht und damit ist am Ende eben doch wieder der Staat gefragt, zu dessen Aufgaben es in einem System der sozialen Marktwirtschaft gehört, die sozial Schwächeren zu schützen. Das hat in der Zwischenzeit sogar der Kanton Zug erkannt, der unter einer Nettoabwanderung von Inländern, die sich das Wohnen nicht mehr leisten können, leidet.

@Michael Hermann + Thomas Ley

Selbstverständlich geht mit der Yuppifizierung (oder Gentrification) eine Erhöhung der Mieten einher. Die Stadt griff hier aber v.a. durch Verstecken und Verdrängen oder Entschärfen (SIP) von Problemszenen ein, in Einzelfällen durch Kauf von Liegenschaften, um sie dem Milieu zu entziehen.

Der Rest des Prozesses ist dann oft in privaten Händen: Kündigen für Renovationen, schaffen teils grösserer Wohnflächen und teurerer Ausbaustandart. Und bei Mieterwechsel dann Erhöhung des Mietzins. Eine “positive Rückkoppelung”.
Von dem her würde ich sagen, es ist im Kern weniger wie Thomas sagt eine gute Wohnpolitik, die das Wohnen teurer macht, sondern eben primär die Umfeldaufwertung *ohne* flankierende Massnahmen – wie Sicherstellung genügender Wohnungen nach Kostenmietprinzip (und ggf. genügend hohe Abschreiber auf spekulativen Preisen: was aber die Stadt kostet!).

Also, ich bin natürlich nicht gegen eine gute Wohnungspolitik und eine Aufwertung der Quartiere. Um das klar zu machen. Aber Zürich ist ein gutes Beispiel, wie eine gute Wohnungspolitik immer auch jene Anwohner anzieht, die sich teure Wohnungen schon vorher leisten konnten. Einfach, weil die Gesamtstadt attraktiver wird. Das ist ein Dilemma.

@ Marc Bourgeois: Wir mögen zwar nicht alle Millionäre sein, aber Mieten können noch munter weitersteigen. Der Wohnungsmarkt ist nun mal kein echter Markt, weil wir als Konsumenten keine echten Alternativen haben. In die Agglo ziehen? Jobmässig, geldmässig und was das soziale Umfeld angeht, steht diese Option für die meisten von uns nicht zur Debatte. Also sind wir dem Angebot ausgeliefert.

Darum wird die Wohnungspolitik einer Stadt wie Zürich nie völlig dem Markt überlassen werden können. Es sei denn wir wollen künftig 50 oder noch mehr Prozent…

…unseres Einkommens fürs Wohnen ausgeben.

“Entwicklung” ist nun einmal immer Gesamtentwicklung, d.h. auch die (neu in die Stadt drängenden) mittleren und guten Einkommen, welche denselben Anspruch auf gutes Wohnumfeld stellen, sind Teil der – auch positiven! – Entwicklung: Diesen absehbar Kommenden ein hinreichendes Angebot zur Verfügung stellen, wäre der beste Schutz der heute sich verdrängt Fühlenden gewesen: Dieselben Parteien, welche an der Macht waren und dies unterlassen haben, rufen jetzt nach sofort mehr Geld zum Verteilen: Nur widersprüchlich – oder schon unfähig?

Im Initiativ-Komitee “Für bezahlbare Wohnungen für alle”: u.a. Corine Mauch. Sie macht auch heute Werbung für die Initiative: Der Gesamt-Stadtrat Zürich hat aber die Initiative zur Ablehnung empfohlen. Haben wir da etwa ein Problem mit der Loyalität oder dem Kollegialprinzip?

@ Simon Schaltegger

Seien wir ehrlich: Die konkreten Folgen einer Massnahme wie der Bilateralen in aller Konsequenz abzusehen und vorwegzunehmen, ist beinahe unmöglich. Hier kommen wir nicht darum herum, ab und zu etwas Feuerwehr zu spielen. Ich verstehe Ihren Punkt wirklich nicht ganz. Nach meinem Verständnis steht die GLP der FDP hier sehr nahe, mit dem Unterschied, dass sie keine/wenig Verantwortung trägt.

Dass die SP-Initiative nur eine wahlkampftechnische Nebelpetarde ist, dürfte hier allen klar sein. Die Durchmischung im Seefeld ist nach wie vor sehr gut, und auch günstige Wohnungen gibt es viele. Sie kommen einfach nicht auf den Markt. Und darüber, dass wir nicht in einer Stadt mit 33 Prozent staatlich administrierten Wohnungen leben wollen, sind wir uns wohl einig. Die nächste Forderung ist dann wohl 66 Prozent.

@Marc Bourgeois

Der GLP gegenüber zu bemerken, dass die Positionen in einer Frage ähnlich wären, um dann anzumerken, die GLP würde halt nur keine Verantwortung tragen, ist mehr als billig und hat nur mit den Wäheranteilen zu tun: Ich bin ganz sicher, dass sich die Protagonisten der GLP genau so wenig wie Sie scheuen, Verantwortung zu übernehmen.

Und Ihre Aufstellung mit dem Anteil an mehr oder weniger staatlichen Wohnungen und dem, was wir wollen oder nicht, die habe ich nun auch genug oft gelesen.

@Marc Bourgeois

Ihre Feststellung (wir trügen keine Verantwortung) – und mehr ist sie es nicht – trifft zu. Aber nur auf kommunaler Ebene – und dazu erst nur noch bis kurz nach dem Wahltag vom 7. März 2010. Ich hoffe, nicht allzu intensiv auf Kosten der FDP. Da hätten sich doch die Grossplakat-sichtig galaktischen Werbemittel dann doch nicht so ganz gerechnet.

Lassen wir es gut sein mit diesem kleinen “Privatduell”. Eine Runde Pfefferminztee, ruhen Sie sich in der zweiten Reihe aus.

Vielleicht mögen sich andere zum Thema äussern. Gerade solche, die erst vor kurzem dazugestossen sind.

Ich seh das humorvoll und würde sehr gerne mit Simon Schaltegger einen Pfefferminztee (für mich lieber was Anständiges) trinken.

Wer austeilt, muss auch einstecken können. Und die FDP mit der GLP, das ist wohl so ähnlich wie die Schweizer mit den Deutschen: ähnlich, aber nicht gleich. Da darf man sich schon mal necken.

Das Wohnungsproblem in der Stadt Zürich kann nicht nur über die Abgabe von Baurecht an Wohnbaugenossenschaften entschärft werden. Es müssen auch Anreize für private Hausbesitzer geschaffen werden, z.B. durch steuerliche Rabatte wenn sie die Wohnungen auf der Basis der Kostenmiete, Benchmark sind Wohnbaugenossenschaften im Quartier, anbieten.

Wir Zürcher brauchen nicht mehr, sondern bezahlbare Wohnungen. Dass ein endloses Wachstum auf beschränktem Grund nicht möglich ist, scheint in dieser blinden “Politikerkaste” nur der einfache, normale Bürger Thomas Knöpfli erkannt zu haben. Praktisch alle andern sprechen nur von einer “Erweiterung” des Wohnungsangebots. Wohlweislich wird dabei aber verschwiegen, dass dies nur auf Kosten unserer Grünflächen und letztlich unserer Lebensqualität geht.

Es kann nicht sein, dass wir durch “verdichtetes Bauen” einfach noch mehr Leute in unsere Stadt hineinpressen, nur weil man das Tabuthema Überbevölkerung nicht angehen will. Für alles hat man eine Planung: Raumplanung, Verkehrsplanung, private und öffentliche Gestaltungspläne etc., nur das Thema Bevölkerungsplanung will man ausschweigen.

Nein, meine Damen und Herren, das ist nicht nachhaltig!
Wir Schweizer Demokraten wollen genau das ändern!

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